Der Soundtrack zum Leben

Truck Stop meldet sich mit einem neuen Album zurück. Was serviert die erfolgreichste deutsche Country & Western Band diesmal ihren Fans?

Männer, das ist wohl eines der Dauerbrenner-Themen, wenn Frauen unter sich sind. Wie die Männer sich selbst sehen, spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Diese Seite der Medaille wird nun von Truck Stop, Deutschlands erfolgreichster Countryband, beleuchtet.
In ihrem brandaktuellen Album gehen sie genau dieser Frage nach: Wie sehen sich Männer eigentlich selber? „Für Männer sind so“, sagt Teddy Ibing, „haben wir uns einen Spiegel vorgehalten und uns gefragt: Was ist uns wichtig? Wie sind wir?“ Herausgekommen ist dabei eine vielschichtige Sicht auf die eigene Männlichkeit, die auch die Widersprüche nicht ausklammert.
Mit der Motorsäge einen Baum umhau‘n, doch beim Flirten schüchtern auf den Boden schau‘n“. Geht das zusammen?
„Aber klar. Männer sind so“, gesteht Andreas Cisek, „voller Gegensätze, das macht sie so liebenswert. Keine Frau will einen, der immer nur weich oder immer hart ist, der immer nur ja sagt oder immer nur nervt“, bringt er es auf den Punkt. Daneben berührt „Männer sind so“ auch andere Stationen im Leben eines Mannes: die wiedergefundene Liebe oder, wie in „Deine Mutter ist immer dabei“, den Klassiker schlechthin: die nervige Schwiegermutter. Doch auch die Ratlosigkeit der Älteren gegenüber dem Treiben des Nachwuchses gehört dazu: Gurtlos auf der Rückbank? Radfahren ohne Helm? Leben ohne Handy und Sagrotan als steten Begleiter? „Wie haben wir das bloß überlebt“, darf Mann sich hier einmal fragen. Klar kommen bei so einem Rundumschlag auch nachdenkliche Töne nach oben, wie in „1000 gute Gründe für ‘ne Selter“, eine leicht ernüchtert klingende Bilanz in der Mitte des Lebens oder „Aller Laster Anfang ist schwer“, ein nachsichtiger Rückblick auf die eine oder andere überflüssige Erfahrung.

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Es geht bis hin zum klaren Eingeständnis: „Frei sein kann man nur alleine“. „Die Party geht weiter“ lässt am Ende durchblicken, das eben auch das zum Dasein als Mann gehört: Freunde, Party, Grillen und ein schönes Bier. Geschichten aus dem wahren Leben, in denen sich ganz normale Leute wiederfinden, die haben die Jungs von Truck Stop schon immer in ihren Songs erzählt. Insofern ist die Beschäftigung mit den eigenen Gefühlen und der Art, wie die anderen einen wahrnehmen, nichts, was was man von einem Album von Truck Stop nicht erwartet hätte. Dennoch ist dieses Album irgendwie anders: Denn in keinem Album zuvor – es ist mittlerweile das 43. der Bandgeschichte – beschäftigte sich Truck Stop mit nur einem Thema. „Männer sind so“ ist eben nicht nur eine Standortbestimmung als Mann – es ist auch eine solche als Band. Und die geht nach dem Tod der früheren Frontmusiker Cisco Berndt und Lucius Reichling und dem Ausscheiden von Dirk Schlag ab sofort nämlich mit mehreren neuen Gesichtern an den Start.
Neben den Truck Stop-Urgesteinen Wolfgang „Teddy“ Ibing, Knut Bewersdorff und Uwe Lost stehen nun auch Sänger und Gitarrist Andreas Cisek sowie ganz neu Chris Kaufmann (Lead-Gitarre) und Tim Reese (Fiddle, Gitarre, Banjo und Mandoline) mit auf der Bühne.
In dieser Besetzung gelingt Truck Stop nun ein schwungvolles Comeback mit einem Sound, der verstärkt zu den musikalischen Wurzeln der Band zurückkehrt und das Handgemachte und die Spielfreude in den Vordergrund stellt. Was die Fans mit „Männer sind so“ auf die Ohren bekommen, ist textlich wie musikalisch hörbar frischer und moderner geworden. Wie kommts?

Ein Grund könnte darin zu suchen sein, dass Truck Stop mit den Neuzugängen Chris Kaufmann und Tim Reese zu einem echten Generationen-Projekt geworden ist und die beiden natürlich auch ganz andere Ideen und Lebenserfahrungen mitbringen. Frischen Wind brachte jedoch sicher auch der Wechsel zu einem neuen Produzenten.
Echo-Preisträger Frank Ramond, schon mit Ina Müller und Roger Cicero sehr erfolgreich, ist der neue Mann im Hintergrund, dem die Band zahlreiche Anregungen verdankt. Und ihm steht als Co-Produzent dann auch noch Jörn Heilbut zur Seite, der seinerseits Größen wie die Münchner Freiheit oder Lotto King Karl betreut. Das klingt danach, dass man sich auch in Zukunft auf viele interessante Alben von Truck Stop freuen darf.
Aber jetzt heißt es erst einmal: Zurücklehnen und die gerade erschienene Scheibe genießen. Wer noch keine Zeit gefunden hat, sich „Männer sind so“ zu besorgen, dem bietet sich bei TRUCK eine einmalige Gelegenheit: Schauen Sie doch mal auf die nächste Doppelseite …


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