Hektors Kolumne: Hundeleben

tm0513_hektor_hundeleben_01Grauer Himmel, weiße Felder, kahle Bäume – noch weniger Sommer als in Deutschland gibt es vermutlich nur in den Niederlanden, die sich mit ihrer argentinischen Prinzessin wohl deshalb ein wenig Sonne ins Land geholt haben. Dass der gemeine Staatsbürger davon nur wenig profitiert, erklärt die Reiselust der Oranjes, die statt mit Rhythmus im Blut und Glut im Herzen mit Tempo 80 und Schneckenhaus die Entdeckung der Langsamkeit zelebrieren.

Hunde sind auch nur Menschen, weshalb ich den Unmut der anderen Straßenbenutzer über Schleicher im Allgemeinen durchaus nachvollziehen kann, vor allem jetzt, wo eine kleine Ausfahrt der Stimmungsaufhellung dient. Dienen könnte. Denn Missverständnisse pflastern den Weg. Die einen wedeln mit dem Schwanz, die anderen blinken mit der Lichthupe, und immer wieder werden sie falsch verstanden. Im Grunde fallen auf den Autobahnen nur zwei Gruppen von Autofahrern auf, und zwar in erster Linie einander: Die zu-langsam-Fahrer und die zu-schnell-Fahrer. Beide haben ein völlig falsches Bild vom jeweils anderen Lager, sind sich aber in einem Punkt einig: Jeder hält den anderen für rücksichtslos und verblödet und fühlt sich zu Handlungen genötigt, die er gar nicht will.Statt wie ein vernünftiger Hund einfach mal kurz zuzuschnappen, damit der Fall geklärt ist, wählen die Menschen wie immer den komplizierten Weg: Frustration, ohnmächtige Wut, Kurzschluss im Denken, ausgeknipster Verstand, hirnlose Wettrennen, waghalsige Ausbremsmanöver, bedrohliche  Abdrängversuche – alles klar. Oberlehrer gegen Rambo, da lobe ich mir den souveränen Umgang meiner Artgenossen mit, sagen wir mal, Katzen. Wenn die blöden Samtpfoten partout nicht verstehen wollen, dass eifriges Hundewedeln die pure Animation zur freundlichen Kontaktaufnahme ist, dann halt nicht.

tm0513_hektor_hundeleben_02Ich jedenfalls habe verstanden: Schwanzpeitschen bei den blasierten Stubentigern bedeutet etwas gänzlich anderes, und wer nicht schnell genug den Rückwärtsgang einlegt, holt sich eine blutige Nase. Soweit muss es auf den Straßen am Ende nicht kommen. Aber vielleicht begreifen die Lehrmeister auf der mittleren Spur mal, dass sie ihr gefühlt  halsbrecherisches Tempo etwas flotteren Zeitgenossen ungeniert aufzwängen, denen dann nur noch die Flucht durchs  Nadelöhr auf der linken Spur bleibt. Stumme Wut gegen Schnellfahrer? Zu blöd, um das Rechtsfahrgebot zu begreifen? Diese Frage sollten sich übrigens nicht nur unsere holländischen Caravanisti stellen sondern sämtliche Oberlehrer, Verkehrserzieher, selbsternannten Ordnungshüter und alle, die beim Anblick eines Trucks im Rückspiegel gerne mal spontan nach links rüber ziehen. Die vermeintlichen Raser wollen niemanden dazu bekehren, ebenso schnell zu fahren.

Meist sind sie einfach nur besser motorisiert, haben mehr Spaß am Gas und versuchen das Beste aus der wintergrauen Fahrt rauszuholen. Sie wollen einfach nur vorbei. Leben und leben lassen – dann wirds auch was mit dem Roadtrip.


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