Al Capone

Kolumne Maik Erdmann innenLetztes Jahr zahlte ich in Bozen 74 Euro, weil ich nach dem Weg fragen musste und dabei (angeblich) mit dem Auflieger meines Lkw auf einem Fußgängerüberweg stand und den Verkehr behindern würde. Das war definitiv nicht so, aber Diskussionen bringen da nichts. Entweder man zahlt an Ort und Stelle oder die Fahrzeugpapiere werden einbehalten und können (natürlich nach Zahlung der Strafe) auf dem zuständigen Polizeirevier abgeholt werden. Wie man dorthin kommt oder dieses überhaupt findet – keine Antwort dieser Stadtpolizisten aus Bozen. Oder folgende Begebenheit aus dem norditalienischen Pordenone: Dort durfte ich drei Heizkessel auf einer Baustelle entladen, mitten im Ort, in einer relativ schmalen Straße. Kurz nach halb zwölf traf ich dort ein. Schon hieß es, dass man vor der Mittagspause nicht mehr mit dem Entladen beginnt.  Im Normalfall ist mir sowas egal, nur dort blockierte ich die ganze Straße. Ich stellte den Lkw soweit wie möglich an den linken Straßenrand, so dass Pkw eigentlich ohne Probleme vorbeifahren konnten. Nach etwas mehr als einer Stunde erschien trotzdem die Polizei. Nun begann das übliche Getue: Führerschein und Fahrzeugpapiere aushändigen, dann Fragen beantworten (wieso ich hier stehe, was ich hier tue), Feststellungen treffen (ich stehe im Parkverbot und in einer für Lkw gesperrten Straße) u.s.w. Das ist irgendwie überall gleich … Nun begannen Diskussionen, die sich über mehr als zwei Stunden hinzogen. Weder der mittlerweile hinzugekommene Bauleiter noch ich waren bereit, die Strafe von 150 Euro zu zahlen. Warum sollte ich auch – diese Heizkessel waren für diesen Neubau bestimmt, also musste ich in diese Straße. Eine Umlademöglichkeit an einem “besseren” Ort gab es nicht. So wurde diskutiert und noch mal diskutiert und wieder diskutiert – der Bauleiter mit mir, ich mit den Polizisten, die mit ihrer Dienststelle, die Dienststelle mit dem Vorgesetzten des Bauleiters, der mit dem Auftraggeber, der Auftraggeber mit meinem Disponenten, der wieder mit mir. Nach zwei Stunden erschien ein weiteres (größeres) Polizeiauto mit sechs (sechs!!) weiteren Polizisten. Nun wurde es richtig interessant. Mir wurde angedroht, die Fahrzeugpapiere einzuziehen und den Lkw zu beschlagnahmen und diesen erst gegen eine Kaution von       60.000 Euro wieder herauszugeben. Es sei denn, ich zahle die Strafe von rund 150 Euro. Wenn es um viel Geld geht, wird man zahm. Und willig. Also stimmte ich zu, den Betrag zu zahlen. Natürlich hatte ich nicht so viel dabei. Nun ging alles ganz fix. Die sechs Polizisten zogen mit ihrem Polizeibus wieder ab.      Ich nahm auf den hinteren Hartschalensitzen des Polizei-Fiat Platz und ab ging die Fahrt durch halb Pordenone zu einem Geldautomaten.               Freundlicherweise fuhren mich die Polizisten sogar wieder zurück zum Lkw.  Ein wenig kam ich mir vor wie Al Capone. In diesem Sinne…

Grüße Maik


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