Apfelschorle

Kolumne Maik Erdmann innenApfelschorle durfte ich laden. 61 Paletten.
An einem Montag. Wo verrate ich natürlich nicht. Auch wenn ich den Namen gerne erwähnen würde. Und den Auftraggeber gleich dazu. Aber ich bin ja vernünftig und habe mich wieder beruhigt. Zumindest etwas.
Also. Am frühen Nachmittag bekam ich von meinem Disponenten die Order, für einen Lebensmitteldiscounter Mineralwasser zu laden. Komplett versteht sich.  Ich erhielt die Ladenummer und den Hinweis, dass die Anlieferung erst am Mittwoch erfolgen kann. Da mein Wohnort quasi “auf der Strecke” liegt, wurde mir der Vorschlag unterbreitet, nach Hause zu fahren. Wunderbar. Zwei Nächte im eigenen Bett, dazu mitten in der Woche, wann habe ich das schon. Freudig erregt stimmte ich zu.
Gegen halb drei Uhr nachmittags war ich bei dem Getränkehersteller. Der Parkplatz voll mit Lkw. Bei vierzig hörte ich auf mit Zählen. Noch war ich aber guter Hoffnung. Die ultimative Anmeldung samt Belehrung ausgefüllt und mich anschließend vor    dem einzigen Schalter der Warenannahme angestellt. Dort erhielt ich kurze Zeit später den Hinweis, dass, sobald ich an der Reihe wäre, man mich anrufen würde. Wann, wagte ich nicht zu fragen.
Es wurde drei, halb vier, vier. Neue Lkw kamen, alte Lkw fuhren, schließlich waren auch die neuen Lkw zu alten geworden. Nur ich stand. Und nix passierte.  Kurz nach fünf schlenderte ich nochmal zur Waren-annahme. Es würde noch eine Stunde dauern, bekam ich zur Antwort. Wortlos ging ich wieder von dannen. Und es wurde sechs. Nur mein Handy schwieg.
Mit etwas Überwindung spazierte ich wieder nach vorn. Der üblichen Frage folgte die gleiche Antwort: Warten! “Wieso, weshalb, warum“, sprudelte es nun aus mir heraus. Nun schon etwas lauter. “Alle werden beladen, nur ich nicht”.
“Zeitfenster. Die haben alle ein Zeitfenster“, erwiderte der Mann hinter dem Schalter. “Wenn Deine Firma oder deren Auftraggeber Dich hier nicht anmeldet, musst Du halt warten“!
“Ihr werdet doch wohl in der Lage sein, auch einen nicht angemeldeten Lkw mal zwischendurch zu laden“, warf ich ein. “Ja, früh zwischen drei und vier Uhr“, bekam ich zur Antwort. Und ging wieder.
Gegen sieben klingelte das Telefon. Ich war richtig erschrocken. Nach einer kurzen Info durfte ich das Werk befahren und eine weitere Stunde später die Lieferscheine abholen. Ach so: Natürlich musste ich den Auflieger selber beladen. Aber das nur mal so nebenbei.
Bis nach Hause schaffte ich es natürlich nicht mehr. Das wäre ja auch zu schön gewesen.

Grüße Maik


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