Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim

Kolumne Maik Erdmann innenManche Sachen sind schwer zu beschreiben. Allein deshalb, weil ich sie nicht verstehe. Ich versuche es trotzdem einmal.
Ein Samstag am späten Vormittag, irgendwo im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim. Ein Kunde wartet auf seine Paletten, er hätte diese gerne noch am Samstag. Klar, warum nicht. Ist ja ein gewöhnlicher Werktag und Samstagsarbeit ist für mich ebenso normal. Die Firma liegt in einer schmalen Straße. Auf der einen Seite stehen Vorstadtmehrfamilienhäuser im neunziger Jahre Stil, vor denen die Autos der Anwohner geparkt sind. Natürlich auf der Straße. Für extra Mieterparkplätze fehlte wohl der Platz. Gegenüber wechseln sich Einfamilienhäuser mit kleineren Gewerbeobjekten ab.
Ich kannte weder diesen Betrieb, noch die Straße. Also hielt ich erst einmal vor dem Tor, um zu erfragen, wo eigentlich entladen wird. Der Chef, knappe siebzig, war selbst anwesend: “Wir entladen auf der Straße”, bekam ich im tiefsten Frankfurter Dialekt zu hören. “Es ist ja nicht viel. Das geht fix!” Ging es eigentlich auch. Nur eben nicht schnell genug für einen Pkw-Fahrer. Während alle anderen drehten und über eine Parallelstraße fuhren, regte der sich auf. Anzeigen wollte er mich und die Polizei rufen. Ich beachtete Ihn nicht weiter, zumal der Alte mittlerweile mit Stapler und Hubwagen eingetroffen war. So fiel es mir auch nicht auf, dass der wohl ebenfalls wendete und verschwand.
Sieben Paletten sollten entladen werden. Die sechste beförderte ich gerade nach hinten, da tauchte die Polizei in Gestalt von zwei Beamten auf. Keine Ahnung, wo die so schnell herkamen. War wohl ein ruhiger Vormittag im östlichen Teil von Frankfurt. Nun begann ein relativ harmloses Gespräch zwischen Firmeninhaber, einem der Uniformierten und mir. Es drehte sich um den Grund und die Dauer meiner Straßenokupation und über die Art und Weise, wie diese erfolgte. Ich hätte vorher die zuständige Polizeidienststelle anrufen sollen, damit diese Vorkehrungen für eine Straßensperrung treffen kann.
Darauf hinzuweisen, dass mir als Ortsfremder weder der Standort, noch die Telefonnummer bekannt sei, verzichtete ich. Ich beließ es bei der Erwähnung, dass man mich für diesen Wunsch auslachen würde. “Das wäre Humbug”, bekam ich als Antwort. Dann waren beide verschwunden. Nur leider nicht entgültig. Zwei Minuten später hüpfte ich vom Auflieger, schloß die Türen und erspähte Ihren Transporter ungefähr zwanzig Meter vor dem Lkw. Einem Autofahrer der gerade ankam, erzählte ich, dass ich sofort weg fahre. Der war glücklich, soweit kein Problem. Da hatte ich die Rechnung aber ohne die Polizei gemacht. Kaum im Fahrerhaus, durfte ich Führerschein und Fahrzeugpapiere aushändigen. Während sich der Wortführer die Dokumente anschaute, versuchte der zweite Beamte die mittlerweile wild hupende Pkw-Meute hinter mir zu beruhigen. Das gelang aber nicht.
Kaum hatte ich die Ausweise wieder in der Hand und durfte mit Ermahnung, aber ohne Strafe den Weg frei machen, zwängte sich der erste Autofahrer zwischen mir und den parkenden Autos durch. Oder anders ausgedrückt: Er versuchte es. Mit dem rechten Aussenspiegel blieb er an einem der parkenden Pkw hängen und hinterlies unschöne Kratzer. Ein hinter Ihm fahrender machte es nicht besser. Immerhin suchte der sich eine andere Karre aus, die er beschädigte.
Ich stieg wieder aus, fragte den stilleren der beiden Polizisten, ob ich warten soll. Oder eher muß. Seine Antwort war eindeutig und lautete – ich hatte es nicht anders erwartet – ja. Aber umparken durfte ich. Beschädigte Autos gäbe es bereits genug.
Zwei Minuten später war ich wieder am Ort des Geschehens. Die Daten der Verursacher wurden aufgenommen, anschließend meine. Nun wandern die doch noch zur Bußgeldstelle. Toll gemacht, Ihr Frankfurter Würstchen.
Zeit verloren und demnächst vielleicht auch noch Geld. Und das nur, weil einige Autofahrer stur sind. Und blind. Natürlich haben die auch keine Zeit. Angeblich. Schließlich war es Samstagvormittag..
Noch Fragen? Keine? Gut! Ich habe nämlich keine Antwort darauf. Aber das habe ich ja bereits im ersten Satz erwähnt…

Grüße Maik


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