Parkplätze – Oasen der Ruhe!

Kolumne Maik Erdmann innenParkplätze sollen eigentlich Oasen der Ruhe sein. Zumindest dann, wenn der Tag fortgeschritten ist, Autofahrer sich in ihre eigenen vier Wände zurückgezogen haben und der Verkehr auf der angrenzenden Straße etwas nachgelassen hat.
Es gibt aber Orte, an denen erst in den Abendstunden das Leben beginnt. Ich stehe seit dem frühen Nachmittag an der A1, zwischen Trier und Wittlich. Pkw kommen und parken, die Fahrer steigen aus. Dann spazieren sie über den gesamten Platz, mustern mit ihren Augen jedes neu ankommende Auto. Ab und zu verschwindet einer im angrenzenden Wald, eine Minute später folgt ihm ein anderer. Es ist schon interessant, das zu beobachten. Eine Frage beschäftigt mich aber: Kommt bei Regen und Kälte überhaupt eine gewisse Stimmung auf, sich körperlich zu nähern?
Fragen sind da, um sie beantworten zu lassen. Schräg vor mir parkt ein älterer Mann. Ich schätze ihn auf Mitte sechzig. Eine Zeitlang bleibt er im Auto sitzen. Plötzlich steigt er aus, mustert einen anderen, wesentlich jüngeren Burschen. Ob die Luft nun anfängt zu schwingen, weiß ich nicht. An mir muss es glücklicherweise vorrüber gegangen sein. Der Alte maschiert Richtung Wald, kurze Zeit später auch der andere. Sein Gang erinnert an einen Geheimagenten. Immer wieder dreht er sich kaum merklich um und inspiziert seine Umgebung. Dann ist auch er zwischen den Bäumen verschwunden. Nach ungefähr fünfzehn Minuten erscheint der Jüngere wieder. Diesmal hat er es eilig. Ich überlege kurz, mir sein Autokennzeichen zu merken. Man weiß ja nie. Tatorte gibt es überall. Dann sehe ich aber den Älteren auftauchen. Langsam nähert er sich seinem Auto. Dort angekommen, winke ich Ihn heran und frage, wie es war. Er winkt ab und erwidert: „Nichts war. Zuviele Leute unterwegs!“ Mit dieser Antwort bin ich aber nicht zufrieden: „Und die Kälte? Stört die nicht?” „Ja, schon. Ich wollte im Auto. Ihm war es aber zu eng!“
Nun bin ich sprachlos. Mit soviel Freizügigkeit habe ich nicht gerechnet. Gut, ich habe gefragt. Aber eigentlich, ohne eine Antwort zu erwarten. Er steigt in sein Auto. Irgendwann ist er weg, ohne dass ich es bemerke.

Grüße Maik


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