Südtirol, ist das noch Deutschland?

Kolumne Maik Erdmann innenSüdtirol, ist das noch Deutschland? Ich durfte bei einer Spedition entladen, irgendwo in Südtirol. Auf dem Gelände der Firma war kein Platz, also parkte ich den Lkw vor einer Nachbarfirma. Dort störte er nicht. Dachte ich zumindest. Dann ging ich fix ins Büro der Transportfirma, um mich anzumelden. Dort hieß es: „Warte bitte einen Moment. Ich rufe im Lager an. Sobald eine Rampe frei ist, laden wir dich ab!”
Keine drei Minuten später: „Fahr hinter die Halle, wir laden von der Seite ab!“ Zurück am Lkw wurde ich bereits erwartet. Eine echte Südtiroler Bauersfrau – zumindest kam sie mir so vor – empfing mich mit tiefrotem Gesicht: „Ist das dein Lkw?“ „Nein, der gehört meinem Chef!” „Aber du fährst den?” „Ja, ich fahre den!” „Aber du willst nicht zu uns?” „Nein, zu der Spedition da nebenan!”
Nun wurde Sie etwas lauter: „Ja das geht aber nicht!” „Was geht nicht?” „Ja, dass laufend Lkw von denen bei uns parken!” „Das verstehe ich, aber irgendwo muss ich parken. Außerdem waren es nicht einmal fünf Minuten, die ich hier gestanden habe!”
Und noch etwas lauter: „Das höre ich jedes Mal, das geht nicht mehr. Ich werde mich bei Herrn  Spinelli (irgendein Verantwortlicher der Spedition) beschweren!” „Das steht Ihnen zu, gute Frau!” Kurze Pause – dann fast schreiend: „Du bist dumm und arrogant. Typisch deutsch!”
Jetzt kam der bereits erwähnte Herr Spinelli hinzu. Sofort richtete sich der Zorn gegen ihn. Diese Gelegenheit nutzte ich, um mich aus der Schusslinie zu begeben. Das Entladen des Lkw ging fix. Als ich anschließend die unterschriebenen Frachtpapiere aus dem Dispobüro holte, waren beide noch immer am Diskutieren.
Später, beim Wegfahren, stand nur noch die Südtiroler Bauersfrau auf dem Platz. Zum Abschied winkte ich ihr nett zu. Man soll ja nicht im Bösen auseinander gehen.

Grüße Maik


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