Schlammschlacht im Zieselpark

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Staubfresser

Was man in der entstehenden Hamburger Hafencity zwischen Neubauten und Großcontainerschiffen elektrisch durch Sand und Matsch scheuchen kann, ist schwer zu beschreiben: 
Der „Ziesel“ ist ein Schalensessel mit Gummiraupen. Oder so.

Norddeutschland, Hamburg, Hafen. Schiffe tuten, Kräne schleppen Betonplatten zu den Baustellen, die alle eher fertig werden als die Elbphilharmonie und der Berliner Flughafen. Hier sieht es jeden Tag anders aus. Und mittendrin ist da tatsächlich eine noch nicht bebaute Sandfläche mit Containern, Palmen, Buden und einem sehr welligen Parcours aus Sand, Matsch und Gummireifen. Hier wohnen die „Ziesel“.

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Ich gucke ein wenig mitleidig auf meine guten Schuhe und rücke die Sonnenbrille zurecht. Ob ich mir einen Ganzkörperoverall anziehen möchte, fragt Sybille Fischer, die quirlige und gut gelaunte Kommunikatorin des weltweit einzigartigen und neuen Unternehmens hier im Norden. Nein danke, mein Produktionsleiter hat gesagt, er braucht Vorher-Nachher-Bilder. Na prima. Die Ziesel sehen so aus, als würden sie dreckig lachen.
Diese Fahrzeuge im Baakenhafen sind – einfach ausgedrückt – große Sitze mit schweren Gummiketten statt Füßen. Ursprünglich ist der Ziesel eine Art schnuckeliges Erdhörnchen, das in Nordamerika und Österreich vorkommt. Sein technisches Pendant wurde ursprünglich konstruiert als unverwüstliche Kletterziege für Bergbauern und Winzer, jetzt hat der Raupen-Stuhl Einzug in die urbane Gesellschaft gefunden.

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Einer für alles. Zwei Finger genügen, um den Ziesel zu steuern.

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Noch lächelt er.  Später wird er laut lachen. Und dann kommt die Erkenntnis mit dem Matsch und dem Wasser.

„Ein Projekt, mit dem wir die Stadt elektrisieren wollen,“ verspricht Gründer und Geschäftsführer Jan Schierhorn. Auch Matthias Onken, Co-Gründer und zweiter Geschäftsführer, zitiert gern aus dem Lob von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank. Der „Ziesel Park“ sei nicht nur ein Abenteuertummelplatz für Action-Helden ab 15 Jahren, sondern auch ein Start-Up im Zeichen von Inklusion und Elektromobilität. Bis zu 20 Mitarbeiter mit und ohne Behinderung bekommen hier seit Mai 2015 in Voll- und Teilzeit langfristige Arbeitsplätze, und die rein elektrisch betriebenen, barrierefrei nutzbaren Ziesel sind umweltfreundlich und grenzenlos einsetzbar.

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Völlig verrückt, diese Kettenstühle. Was für ein Spaß – auch nass, auch schmutzig, selbst Schuld. Nach wenigen Runden ist man nicht nur mutiger, sondern auch wendiger, die Steuerung ist so intuitiv wie bei einem ferngesteuerten Spielzeugauto. Nur dass hier andere Massen mit anderer Kraft bewegt werden. Sei es ein Klettern über alte Pneus, ein Kacheln mit Staubfahne auf der sandigen Geraden oder ein gekonnter Drift durch die Steilkurve (diesmal um das Matschloch drumrum) – das rockt.

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