Volvo FE Hybrid – Elektrifiziertes Entsorgungsfahrzeug

tm0214volvo_muell_1Erster Hybrid-Müllwagen mit vollelektrischem Müllpresswerk im Praxiseinsatz.

Das Volvo Group Truck Center in Wildau hat das wohl sparsamste, sauberste und leiseste Müllsammelfahrzeug seiner Klasse in Europa an die AWU-Abfallwirtschafts-Union Oberhavel in Velten bei Berlin ausgeliefert. Der 26-Tonner basiert auf einem Volvo FE Hybrid-Fahrgestell und arbeitet mit einem vollelektrischen Müllpresswerk des finnischen Herstellers NTM. Das elektrifizierte Entsorgungsfahrzeug ist Teil des „Internationalen Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg“ der Bundesregierung und soll bis Ende 2015 Erkenntnisse über die technische Eignung und den wirtschaftlichen Betrieb liefern.
„Volvo Trucks ist der einzige Lkw-Hersteller, der einen Dreiachser für 26 Tonnen mit serienreifem Hybrid-Antriebsstrang für unser umweltfreundliches Müllfahrzeug liefern konnte. Unsere Erwartungen sind hoch.

Wir hoffen, mit dem geräuscharmen Antrieb und dem elektrisch betriebenen Aufbau den Einsatz zukünftig noch stärker in Zeiten mit geringem Verkehrsaufkommen verschieben zu können“, begründet Annette Fürstenberg das Engagement der AWU für das Projekt Elektromobilität. Die Fuhrparkleiterin der Abfallwirtschafts-Union in Velten koordiniert den Einsatz von insgesamt 15 Müllsammelfahrzeugen. Etwa die Hälfte davon sind Seitenlader, die im Ein-Mann-Betrieb unterwegs sind. Auch der Neuzugang ist ein Seitenlader und bislang der einzige in Europa mit vollelektrischem Aufbau. „Knapp drei Jahre haben wir jetzt Zeit, im Feldversuch die Wirtschaftlichkeit des Elektrofahrzeugs im Müllsammelbetrieb nachzuweisen. Wir versprechen uns davon Kraftstoffeinsparungen von mindestens 25 Prozent“, betont Annette Fürstenberg.
Der Seitenlader mit Parallel-Hybridantrieb kann im Einsatz bis zu 30 Prozent Kraftstoff sparen, wenn anstelle des motorgetriebenen ein batteriebetriebener Müllsammelaufbau zum Einsatz kommt. Allein der Volvo FE Hybrid senkt den Dieselkonsum im Stop-and-Go-Verkehr mit niedrigen Geschwindigkeiten und vielen Haltepunkten um bis zu 20 Prozent. Denn beim Anfahren und bei geringem Tempo ist der Müllsammler rein elektrisch unterwegs und verbraucht keinen Kraftstoff.

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Annette Fürstenberg, Fuhrparkleiterin der Abfallwirtschafts-Union Oberhavel

Die Kombination aus Diesel- und Elektromotor in Verbindung mit der intelligenten Steuerung namens Powertrain Management Unit (PMU) macht‘s möglich. Letztere steuert automatisch die Gangwechsel, das Zuschalten der Antriebsquellen und das Laden der Batterie. Die PMU sorgt dafür, dass das Beschleunigen aus dem Stand bis 20 km/h allein dem 120 kW starken Elektromotor vorbehalten bleibt. Erst bei höheren Geschwindigkeiten schaltet sich der 7,2-Liter-Dieselmotor mit Euro-5-Abgasnorm zu. Beide Motoren arbeiten dann parallel und treiben den Dreiachser gemeinsam an. Bis zu zwei Kilometer weit kann der Müllwagen mit einer Batterieladung rein elektrisch unterwegs sein.
Der Permanent-Magnetmotor sitzt zwischen Dieseltriebwerk und Getriebe. Beide Antriebsquellen leiten ihre Kraft über dasselbe automatisierte Zwölfganggetriebe Volvo I-Shift an die Räder weiter. Stoppt der Müllwagen, schaltet der 340 PS starke Sechszylinder-Dieselmotor automatisch ab, um unnötigen Leerlaufbetrieb zu vermeiden. Beim Bremsen fungiert der Elektromotor als Generator, der mit der Bremsenergie die Lithium-Ionen-Batterien für den Antrieb wieder auflädt.
Während die kleinen, schnell aufladbaren 600-Volt-Hochleistungsbatterien für den Hybridantrieb nicht an die Ladesäule müssen, braucht das große Batteriepack für den elektrischen Antrieb des NTM-Aufbaus regelmäßig Kraftstrom aus der Steckdose. Die Energiespeicher mit eigenem Batteriemanagement sitzen als Teil des Aufbaus Platz sparend hinter dem Fahrerhaus des Rechtslenkers in einem wettergeschützten Gehäuse und schränken das Aufbauvolumen nur wenig ein. Sie verfügen über eine Heizung und Kühlung, um sowohl an sehr heißen als auch sehr kalten Tagen durchzuhalten.

tm0214volvo_muell_3 Die kompakten Lithium-Ionen-Akkus liefern den Strom für einen Elektromotor, der eine Hydraulikpumpe für die Aufbauarbeit wie Schütten und Pressen antreibt. Tests haben ergeben, dass die Aufbau-Akkus selbst nach 2.500 Ladevorgängen immer noch eine Kapazität von über 80 Prozent aufweisen. Die Energiespeicher hat der finnische Aufbauhersteller Närpes Trä & Metall (NTM) so ausgelegt, dass sie über 18 Stunden im Schütt- und Pressbetrieb durchhalten, bevor sie wieder für zirka acht Stunden an die Ladesäule müssen. Dadurch lässt sich das Hybrid-Sammelfahrzeug selbst im Zwei-Schicht-System einsetzen. Davon macht die AWU längst Gebrauch. Seit 2010 rollt der komplette Fuhrpark im Zwei-Schicht-Betrieb und ist in der Regel fünf Tage in der Woche von 6:00 bis 21:30 Uhr im Einsatz. Dafür gibt es Ausnahmegenehmigungen der betroffenen Kommunen. Etwa 70.000 Haushalte mit mehr als 200.000 Einwohnern nördlich von Berlin betreut die AWU als klassischer Müllentsorger im kommunalen Bereich.
Trotz der gewichtserhöhenden Zusatztechnik für den elektrischen Antrieb von Fahrzeug, Kipphydraulik und Müllpresse hält sich das Mehrgewicht des 26-Tonners in Grenzen. Dem AWU-Abfallsammelfahrzeug bleiben zehn Tonnen Nutzlast, was für herkömmliche Müllsammelaufgaben in einer Schicht vollkommen ausreicht. Derzeit sammelt das Fahrzeug mit alternativem Antrieb Papier und Pappe von privaten Haushalten ein und bringt den Rohstoff zur Weiterverarbeitung in die AWU-Sortieranlage nach Velten. Bis zu 700 Behälter mit 1.400 Kippvorgängen leert der Hybrid-Lkw in einer Schicht.
Besonders in Wohngebieten, Kurzonen oder auf Klinikarealen kann der Volvo FE Hybrid der AWU punkten. Durch seinen leisen Elektromotor ist der Geräuschpegel des Fahrzeugs beim Beschleunigen und im Leerlauf nur noch halb so hoch wie bei einem herkömmlichen Dieselmotor. Hinzu addieren sich der wesentlich geringere Kraftstoffverbrauch sowie die niedrigen Schadstoffemissionen. Um schnelle Hilfe bei Ausfällen des im Schichtbetrieb eingesetzten Lastwagens und den Service jederzeit sicherzustellen, stattete die AWU das Hybrid-Fahrzeug mit einem Volvo Gold-Vertrag aus. Dieser Full-Service-Vertrag schließt alle Wartungs- und Reparaturkosten am Fahrzeug ein und führt zu einer vollständigen Kostenkontrolle über die gesamte Laufzeit des Leasingvertrages.

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Fotos: Hersteller


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