Hektors Kolumne: Erbarmen, die Biker kommen!

tm0913_hektor_kolumne_01Irgendwas ist immer. Erst wars kalt und alles grummelte wegen eingeschränkter Outdoor-Events, jetzt wirds wärmer und mit dem Outdoor-Feeling ist das so eine Sache. Wäre alles kein Problem, wenn sich Zwei- und Vierbeiner artgerecht fortbewegen würden, aber Menschen wollen ja immer das, was sie nicht können: Auf allen Vieren rollen, auf zwei Rädern rasen und bestenfalls auf zwei Beinen rennen – das versteh´ mal einer! Während sich jeder normale Hund im Frühling seines Lebens freut, hier und da ein wenig schnüffelt, da und dort ein wenig pinkelt, können die Menschen natürlich nichts mit diesen bescheidenen Genüssen anfangen. Kaum wagen sich die ersten Narzissen aus den Zwiebeln, werden auch die Biker aktiv. Freiheit auf zwei Rädern ist angesagt, und wenn es um den puren Genuss geht, kommen manche sogar ohne Motor aus – ohne deshalb langsamer zu sein. Im neckischen Ganzkörperkondom, die Spoilerbrille im entschlossenen Gesicht, den Lenker fest umkrallt, durchjagen sie beschauliche Landstraßen, brausen durch  Fußgängerzonen und Parks und nehmen rote Ampel zum Anlass, noch heftiger in die Pedale zu treten. Radl-Rambos nennen unsere alpinen Nachbarn diese Gesetzlosen, die hunderte von Kilometern auf hartem Asphalt fahren, um am Abend mit wundem Hintern gerädert ins Bett zu fallen  – für nichts und wieder nichts. Radl-Rambos, schöner Name – und absolut treffend, finde ich. Getoppt werden die ausgemergelten Gestalten nur noch durch ihre lederbewehrten Kollegen: Ferngesteuerten Ameisen gleich fädeln sich chromglänzende Biker-Kolonnen durch kurvige Sträßchen, das hundertfach verstärkte Motorengeräusch lässt aufgescheuchte Insektenschwärme vermuten – ob da irgendwo ein Nest ist?  Regelrecht umzingelt bleibt dem armen Hund nur die Flucht ins Grüne abseits aller Wege und die Hoffnung, dass die Besitzer geländetauglicher Vehikel nicht auf die gleiche Idee kommen.

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Ein Hoch auf die wenigen, denen ihre zwei Beine tatsächlich genug sind und die weder rennen noch joggen noch walken noch sprinten, um ihre sauerstoffentwöhnten Lungen frisch zu befüllen. An alle Rambos, Serien-Biker, Gasentwöhnten und Möchte-gern-Racer:  Nehmt euch doch mal ein Beispiel an uns: Beschaulich durch die Gegend stromern, mal was anderes als Abgase inhalieren, die Sonne genießen und abschalten. Auch den Motor. Dann klappts auch mit dem Outdoor-Feeling.


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