Hektors Kolumne: Im Urlaub Bei Freunden

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Es ist soweit: Die Urlaubszeit hat begonnen. Endlich. Was gibt es Schöneres, als Sonne, Strand und historische Stätten, ein wenig Faulenzen und gutes Essen natürlich inbegriffen. Da bieten sich unsere südlichen Nachbarn doch geradezu an – dort gibt es scheinbar alles, was das deutsche Urlauberherz begehrt. Außerdem sind die Menschen dort so gastfreundlich und unverdorben, voll multikulti eben. Also nichts wie die Koffer samt kreischender Kinderschar, Ehefrau und natürlich Hund ins Auto gepackt und ab ins Warme. Mag die Anreise sich auch ein wenig länger hinziehen, weil offenbar alle in den Süden wollen – sei´s drum. Der Weg ist das Ziel, und wann hat man schon mal Gelegenheit, die Finessen seiner geliebten Karosse endlich so richtig auszuloten? Richtig: im Stau.

Das gebuchte Hotel erweist sich nicht selten als Groschengrab: Das erste Bakschisch ist für den Hotelboy, der die Koffer aufs Zimmer bringt. Ein Euro? Der Boy lächelt nur und rührt sich nicht. Also noch zwei Euro drauf gelegt und er trollt sich endlich. Wenige Minuten später klopft es an der Tür. „Hello, everryssing okäy wisse rrruuhm?“ Offenbar waren drei Euro doch zuviel und der Hotelboy hat seinen Kumpel gleich zum Trinkgeld holen hinterher geschickt.

Der erste Urlaubstag endlich lässt die landesübliche Gastfreundschaft erleben: Lauter Kontakt suchende Einheimische. Und wie nett sie lächeln. Und weil der Kontakt mit den Einheimischen ein Grund, nein, eigentlich DER Grund für die Reise war, folgen alle dem netten Händler in seinen Shop. „Oh, you from Hamburg? I have brother in Hamburg! When I come Hamburg, I visit you“.

Schnell sind die Adressen ausgetauscht und wertvolle Kulturgüter wechseln den Besitzer. Man freut sich, weil der Händler alles für die Hälfte verkauft hat, wegen Hamburg. Als die Erlebnisse abends im Hotel erzählt werden, ist zu erfahren, dass der Händler auch noch Brüder in Frankfurt, München und Heidelberg hat. Ansonsten ist alles wie gebucht: Sonne, Strand und laues Meer, antike Steinhaufen wie im Prospekt, super Essen und viel Zeit zum Relaxen – da freut sich auch der Hund. Auch wenn das ewige Gesäusel „Oh, whatt a sweeeeet little dog. And whatt a frendly little face!“ eine distinguierte englische Bulldogge schon mal nerven kann. Meinen die mich? Oder erwarten sie nur wieder ein Trinkgeld?

Gut, dass wir bald wieder die Heimreise antreten. Wieder im Stau. Wieder mit tausend anderen, die auch alle in den Norden wollen. Urlaub ist wirklich eine der schwierigsten  Herausforderungen des Jahres.


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