Krank auf Achse? Versorgung 
für Fernfahrer durch DocStop

tm1813_docstop_fernfahrer_01Wer in Deutschland krank wird, kann sich auf ein hervorragendes Gesundheitssystem verlassen. Doch wer berufsmäßig ständig unterwegs ist, fällt schnell durch die Maschen dieses so eng geknüpften Netzes. Der Verein DocStop hat ein Konzept entwickelt, das optimale medizinische Versorgung auch für Brummi-Fahrer ermöglicht

Wenn Norbert K. wieder einmal auf der A7 überholt wird, gleiten mitleidige und bisweilen abschätzige Blicke hinauf zur Kanzel seines 40-Tonners. So viel seine nagelneue Volvo-Zugmaschine auch her macht – aus den Schlitzen im Aufbau seines Aufliegers blitzt bisweilen ein rosafarbenes Ohr oder eine neugierige Schnauze hervor: Norbert fährt eine Fuhre Schweine durch Deutschland, Bestimmungsort ist eine Großschlachterei in Bayern. Schon seit gestern Abend quält ihn ein Schmerz im Oberkiefer; wahrscheinlich der Zahn, den der Doc schon bei seinem letzten Besuch als Kandidaten für die nächste Krone prognostiziert hat. Und sein letzter Besuch ist bereits einige Zeit her.

Doch auf Achse einen Arzt zu finden, kann schwer sein. Mit seiner quiekenden Ladung einfach von der Bahn runter in die nächstgelegene Kleinstadt? Wohl kaum! Und überhaupt: In der Nähe welcher Praxis kann man mal so eben einen 16-Meter-Truck abstellen? Hinzu kommt noch, dass auf der bisher zurückgelegten Strecke bereits mehrere Staus seinen ursprünglichen Zeitplan zu Nichte gemacht haben – ihm sitzen die Termine im Nacken. Jetzt etwa noch eine oder gar zwei Stunden im Wartezimmer herumsitzen ist da undenkbar.

Auf Achse einen Arzt zu finden, kann schwer sein

Rund eine Million Berufskraftfahrer kennen diese oder ähnliche Situationen. Doch zum Glück gibt es seit einigen Jahren DocStop – ein Netzwerk, dem neben Ärzten und Krankenhäusern auch Autohöfe und LKW-Rastplätze angehören, und das sich zum Ziel gesetzt hat, den Truckern in Fällen wie dem eingangs geschilderten schnell medizinische Hilfe zukommen zu lassen.

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DocStop-Gründer Rainer Bernickel

„Brummifahrer gehen nur zum Arzt, wenn es superschnell geht und die Praxis quasi an der Autobahn liegt“, bringt Rainer Bernickel die Grundsituation auf den Punkt. Bernickel ist pensionierter Autobahnpolizist und kennt das Dilemma und seine möglichen Folgen nur zu genau: Noch vor wenigen Jahren hätte sich unser Fahrer einfach einige Schmerztabletten eingeworfen und wäre weiter gefahren.

„Das stellt eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer dar“, so Bernickel. Denn auch wenn freiverkäufliche Medikamente eingenommen werden kann der Einzelne die möglichen Nebenwirkungen kaum einschätzen. Im Interesse der Sicherheit aller Autofahrer müsse unbedingt verhindert werden, dass durch Eigenmedikation oder das Fahren mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen schwere Verkehrsunfälle geschehen.

Kaum im Ruhestand, begann er 2006 ein Konzept für ein Netzwerk auszuarbeiten, dass diesen Misstand beenden sollte. Und dabei ging es Ihm nicht nur um das Hantieren mit frei verkäuflichen Medikamenten; die Erfahrungen der seit dem Jahr 2000 mit der Autobahnpolizei veranstalteten Trucker-Stammtische hatten ihn gelehrt, dass diese Berufsgruppe medizinisch chronisch unterversorgt war. Über 85 Prozent der Fahrer/innen klagten über eine mangelhafte medizinische Versorgung am Arbeitsplatz.


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