Lebensgefahr für Pannenhelfer

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Nach einem tödlichen Absicherungsunfall auf der A1 bei Ascheberg setzt die Verkehrssicherheitsberatung der Autobahnpolizei in Münster alles daran, Lkw-Fahrer für die Gefahren von Pannenstellen zu sensibilisieren

Als die Beamten der Autobahnpolizei Münster am 28. Februar 2014 an die Unfallstelle auf der A1 gerufen werden, ist es bereits zu spät. Ein Sattelzug war mit einem Reifenplatzer auf dem Seitenstreifen der A1 liegengeblieben. Ein 23-jähriger Pannenhelfer und sein 50-Jähriger Kollege arbeiteten bereits in der Pannenstelle. Allerdings ohne Polizeiabsicherung und ohne Autobahnmeisterei. Als sich der 23-Jährige dann zwischen dem liegengebliebenen Lkw und dem Servicefahrzeug befindet, passiert es: Ein nachfolgender Lkw mit Anhänger erkennt das Hindernis zu spät. Zwar versucht der Fahrer noch verzweifelt auszuweichen, jedoch schleudert der Anhänger mit voller Wucht gegen das Servicefahrzeug und schlitzt dieses förmlich auf. Der junge Servicemechaniker, der sich zu diesem Zeitpunkt unmittelbar zwischen dem Liegenbleiber und dem Hilfsfahrzeug befindet, wird erdrückt und tödlich verletzt!

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Leider fahren immer wieder Lkw in einen Liegenbleiber. Das Resultat ist oft verherend. Die Polizei versucht Beruftskraftfahrer in Gesprächen für diese Gefahrensituationen zu sensibilisieren

Einschaltung der
Autobahnpolizei ist überlebenswichtig

Der grausame Unfall auf dem Seitenstreifen der A1 offenbart gleich eine ganze Menge von Fehlern, die Pannenhelfer beim Absichern von liegengebliebenen Lkw immer wieder machen. „Hier ist völlig klar, dass die Pannenstelle viel zu gefährlich war, um sie ohne fremde Hilfe abzuarbeiten. Der Liegenbleiber stand bereits mit einem Rad auf der Fahrbahn und hier hätte in jedem Fall der rechte Fahrstreifen eingezogen werden müssen“, beschreibt Polizeihauptkommissar Christoph Becker von der Autobahnpolizei Münster. Der Verkehrssicherheitsberater weiter: „In solchen Fällen ist es überlebenswichtig, sofort die Autobahnpolizei einzuschalten, die dann die Autobahnmeisterei mit der Absicherung der Pannenstelle beauftragt“. Warum das in diesem Fall nicht geschehen ist, bleibt ein Rätsel: „Viele Lkw-Fahrer haben Angst vor zusätzlichen Kosten und auch routinierte Pannendienste unterschätzen die Gefahren durch den herannahenden Verkehr immer wieder“.

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Abgesichert durch die Polizei oder Straßenmeisterei können die Helfer den Lkw wieder flott machen

Unfallursache ist
ein zu geringer Sicherheitsabstand

Unfallursächlich dürfte in erster Linie ein viel zu geringer Sicherheitsabstand des Unfallverursachers gewesen sein, der sich dadurch selbst jede Sicht auf die vor ihm liegende Pannenstelle genommen hat. Leitender Polizeidirektor Udo Weiß erklärt: “Bei 80 km/h fährt ein Lkw 22 m/sec. Wenn ich eine Sekunde abgelenkt werde und eine Schrecksekunde habe, dann sind das schon 44 Meter. Und wenn ich dann plötzlich ein Hindernis sehe, dann kann ich nicht mehr rechtzeitig reagieren und alles das umsetzen, was den Unfall verhindern könnte“. Bei ihren Ermittlungen kommt die Polizei in Münster zu dem Ergebnis, dass der tödliche Verkehrsunfall zwar durch den Lkw-Fahrer verursacht wurde, doch deuten viele Details auf gravierende Fehler und Leichtfertigkeit der Pannenhelfer hin. Ihnen scheint Routine zum Verhängnis geworden zu sein. „Selbstverständlich schleicht sich bei diesen Leuten auch die Routine ein. Tausend mal einen Reifen gewechselt, tausend Mal ist nichts passiert. Nichts ist so gefährlich wie die Routine, weil sie dazu führt, dass man leichtsinnig wird“, argumentiert Christoph Becker.

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