Zwei ungleiche Kontrahenten

Kräftemessen zweier Leistungsträger: Warum ein US-amerikanisches Musclecar mit über 700 PS Leistung noch lange keinen Sattelzug zieht.

Ja dann müsste ja dieses Geschoss mit seinen über 700 PS“, wurde neulich ein Mitarbeiter aus dem Redaktionsteam von einer fassungslosen Kollegin gelöchert, die bei der Abwicklung einer Anzeigenschaltung über die gigantische Leistung eines Muscle Cars amerikanischer Herkunft gestolpert war, „ja mindestens ebenso locker einen Trailer wegziehen, wie eine Sattelzugmaschine…“ „Nicht wirklich…“ war die Antwort des Kollegen, „denn wo wollte man“, so sein Einwand, „an einem solchen Auto eine Sattelplatte anbringen?“

Dodge

Fraglos ein schlagendes Argument! Aber ist diese als Frage formulierte Feststellung, dass ein PKW, ganz gleich welcher Bauart, überhaupt nicht so konstruiert ist, dass er mit den auftretenden Kräften klar käme, auch eine erschöpfende Antwort auf die eigentliche Frage?
Kann man mit anderen Worten den riesigen Motor einer Actros Sattelzugmaschine von Daimler Benz mit 12,8 Litern Hubraum ohne weiteres mit dem Achtzylinder des Amerikaners vergleichen, der gerade  inmal den halben Hubraum in die Waagschale werfen kann? Wohl kaum! Und was die Kollegin vor allem verwirrte: Wie verhält sich das mit den Leistungsangaben? Wieso kommt ein so gigantisches Aggregat auf eine relativ mickrige Ausbeute von 449 PS, während ein für PKW-Verhältnisse zwar immer noch stattlicher im direkten Vergleich aber eben doch erheblich kleinerer Motor enorme 717 PS erreicht?
„Genau genommen vergleichst Du da Äpfel mit Birnen,“ hub der Kollege zu einer bei ihm üblicherweise überaus ausführlich geratenden Vertiefung des Themas an, „eigentlich kann man beides gar nicht direkt vergleichen. Und wenn, dann müsstest Du bei beiden nicht nur einseitig auf die Pferdestärken starren, sondern zusätzlich auch das Drehmoment des Motors heranziehen.

Der OM 471 des Actros 1845 ist ein Reihen-Sechszylindermotor mit einem monströsen Hubraum von 12.000 cm3. Der besonders langhubig ausgelegte Motor stemmt enorme 2.200 Nm Drehmoment auf die Antriebswelle und ist damit perfekt fur die Beförderung hoher Lasten geeignet

Die Hinterachse bekommt es beim Beschleunigen mit sämtlichen Kräften des bis zu 40 Tonnen schweren Gespanns zu tun und ist ntsprechend massiv ausgelegt

Das 12-Gang-Getriebe des Actros sorgt dafur, dass bei jeder Geschwindigkeit ein ausreichend hohes Drehmoment am Rad anliegt

Wenn Du hier mal schaust,“ hatte er flugs die einschlägigen technischen Daten des Fahrzeugs auf der Mercedes-Seite parat, „dann siehst Du nämlich, dass das Aggregat der Zugmaschine ein enormes rehmoment von 2.200 Newtonmetern auf die Antriebswelle wuchtet. Und das ist hier die entscheidende Größe,“ stellte er mit geschwollener Brust fest.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.