Berufs­kraftfahrer-Qualifikation mit dem ADAC

tm1913_adac_kraftfahrer_quali_01

Die Güte der Schulungen zur Berufskraftfahrer-Qualifikation sind stark vom Veranstalter abhängig. Der ADAC schult in eigenen Fahrsicherheitszentren mit ausgeprägtem Praxisanteil

Das Berufskraftfahrerqualifizierungsgesetz (BkrFQG) schreibt 5×7 Zeitstunden für die Qualifikation vor und bestimmt auch die Inhalte. Daraus wurden verschiedene Module abgeleitet, die in der Gesamtheit alle Anforderungen abdecken.

Bei der ADAC Berufskraftfahrer-Qualifikation splitten sich die fünf Module wie folgt auf:
Modul 1: Eco-Training
Modul 2: (Sozial-)Vorschriften für den Güterverkehr
Modul 3: Fahrsicherheit und Sicherheitssysteme
Modul 4: Fahrer, Dienstleister, Imageträger
Modul 5: Ladungssicherung

Von diesen fünf Modulen sind die ersten drei Pflicht-Module, deren Inhalt vermittelt werden muss. Die beiden übrigen Module sind als Angebote zu sehen. Um der Qualifikationspflicht nachzukommen, können auch zwei der ersten drei Module wiederholt werden.

Die Berufkraftfahrer-Qualifikation muss für den Güterverkehr bis zum 10. September 2014 in den Führerschein eingetragen werden. Da jede Eintragung in den Führerschein mit Kosten verbunden ist, gibt es zur Terminangleichung, beispielsweise der ärztlichen Untersuchung, Sonderregelungen! Zudem kann der Arzttermin vorgezogen und so gemeinsam mit den Qualifikationen eingetragen werden.

tm1913_adac_kraftfahrer_quali_02
Nach der Fahrübung wird das Erlebte sofort besprochen, analysiert und theoritisch untermauert

tm1913_adac_kraftfahrer_quali_05
Bei der Sitzhaltung ist die richtige Einstellung wichtig

tm1913_adac_kraftfahrer_quali_04
Vorbildliche Ladungssicherung durch abklappbare Sperren möglich.

tm1913_adac_kraftfahrer_quali_03
Die richtige Sitzhaltung bietet Sicherheit bei einem Unfall, Seitenhalt bei Kurvenfahrten und Rückhalt bei Vollbremsungen.

 

Ich habe mir das Modul 3 (Fahrsicherheit und Sicherheitssysteme) beim ADAC Lüneburg live und in Farbe ansehen dürfen. Eine Grundproblematik bei der Schulung von Berufskraftfahrern ist die Vermittlung des trockenen und nicht so einfachen Stoffes. Nun ist der Lkw-Fahrer vielleicht gewohnt, den Großteil seiner Arbeitszeit zu sitzen, doch einen ganzen Tag in einem Raum mit 25 anderen Teilnehmern und Frontalunterricht wie in der Schule zu verbringen, stößt manch einen ab und baut eine Hemmschwelle auf. Aussagen wie „Ihr klaut mir meine Freizeit und die Zeit mit der Familie“ sind nicht selten, so Michael Gay, Instruktor beim ADAC. Man darf nicht vergessen, dass dies eine Pflichtveranstaltung ist, zu der nicht jeder Lkw-Fahrer voller Freude erscheint.

Wie kann das besser gehen, hat man sich wohl beim ADAC gefragt, und versucht, einen großen Praxisanteil einzubauen. Natürlich kommt eine Schulung mit diesen Inhalten nicht ohne Theorie aus, doch die Mischung aus trockenem Lehrstoff und dem „Popometer“ lockert die Schulungsituation auf.

„Ich versuche, schon den trockenen Theorieteil schmackhafter aufzubereiten, durch das Testen bei den Fahrübungen finden dann beinahe alle Teilnehmer Spaß an der Qualifikation und nehmen auch eine Menge Wissen mit in den Berufsalltag“, so Michael Gay.

Dennoch ist der Anfang nüchtern, im Schulungsraum geht es um „Bewusstseinsbildung für Risiken des Straßenverkehrs und Arbeitsunfälle“. Wie und wo entstehen die meisten Unfälle? Wie könnten sie vermieden werden? Wie stark sind Lkw beteiligt? „Lkw küsst Pkw“, 2008 sind bei 59 Prozent aller Unfälle Pkw und Lkw beteiligt. Der Anteil von Eigenunfällen bei Lkw ist verschwindend gering. Viele Arbeitsunfälle ereignen sich im Straßenverkehr, doch ein weiterer Schwerpunkt ist die Beladungssituation auf dem Betriebshof. „Fahrer während des Beladens von der Ladefläche gefallen oder vom Spriegel am Kopf getroffen“, das ist keine Seltenheit und zieht meistens hohe Folgekosten nach sich.


Andreas Aepler

Autor: Andreas Aepler

Chefredakteur der TRUCK, Fachjournalist für Nutzfahrzeuge und Baumaschinen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.