Testfahrt Mercedes-Benz Arocs: Aktiv in schwerstem Terrain

tm1213_mb_arocs_01Triple-Test von straßenorientierter Bau­anwendung bis zum echten Offroad-Einsatz

Kein Zweifel: Der Arocs beeindruckt mit seinem Auftritt an Kraft und Robustheit schon im Stand. Der Kühlergrill mit seiner „Baggerzahn“-Optik bildet die optische Klammer zwischen Technik und Terrain – man spürt, dieser Lastwagen gehört ins Gelände. Im Tagebaugelände der Rheinkalk in Dornap zeigt er seine Könner-Qualitäten.

Testfahrt auf der Extremstrecke

Für die Testfahrt auf der so genannten Extremstrecke fällt die Wahl auf das Modell 4151 8×8/4. In Mercedes-Benz-Nomenklatur abgekürzt ist das ein 41-Tonner mit vier Achsen, alle angetrieben und zwei, die vorderen natürlich, gelenkt. Motorseitig, auch das steht im Typkürzel, ist ein Motorenaggregat mit 375 kW (510 PS) im Einsatz. Genauer gesagt ist es die Spitzenausführung des 12,8-l-Reihensechszylinders von Mercedes-Benz, der seine volle Leistung bei 1.800/min abliefert und 2.500 Nm als höchste Zugkraft bei 1.100/min auf die Kurbelwelle wuchtet. Angeflanscht an den serienmäßig Euro-VI-erfüllenden BlueTec-Motor ist normalerweise das vollautomatisierte Mercedes PowerShift 3-Getriebe. Im Fall des ausgewählten Testwagens kommt jedoch die aufpreispflichtige Sonderausstattung eines Sechzehngang-Handschaltgetriebes zum Zug. Diese optional erhältliche Handschaltung lässt sich dank neu entwickelter Kabelschaltung mitsamt spürbar wirksamer Schaltkraftunterstützung exakt bedienen. Dazu trägt auch das leichtgängige Kupplungspedal seinen Teil bei.

Fulminante Zugkraft

Im Verlauf der ersten Probefahrt durch das Offroad-Areal der Rheinkalkwerke tritt die Schaltung allerdings in den Hintergrund. Vielmehr beeindruckt der Motor mit seiner fulminanten Zugkraft aus den Tiefen des Drehzahlkellers bei gleichzeitiger Drehwilligkeit nach oben hinaus. Das spart in vielen Fällen einen Schaltvorgang. Und weil, in Mercedes-typischer Manier, die Differenzialsperren im neuen Arocs wie bisher in der Baufahrzeugfamilie aus der bewährten Actros-Reihe nach ihrer traktionsdynamischen Notwendigkeit in Reihe geschaltet werden, ist die Bedienung des Bau-Boliden genauso ergonomisch wie es die Fahrer erwarten. Zumal die Armaturenanlage mit ihrer feinen Übersichtlichkeit genau darüber informiert, welcher Fahrzustand gerade anliegt.

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Die Drehzahl entscheidet

Dazu gehört selbstverständlich die Geschwindigkeitsanzeige, aber die ist im schweren Terrain weniger wichtig. Gleichrangig wird die Motordrehzahl angezeigt, die bei höchsten Fahrwiderständen Auskunft über die entscheidende Frage gibt: Packt es der Motor oder packt er es nicht. Beim voll ausgelasteten Arocs 4151 8×8/4 steht die Nadel des Drehzahlmessers wie festgenagelt bei 1.100 Touren. Selbst am Steilstück der anspruchsvollen Offroad-Runde – extrem rutschig durch vorausgegangene Regenfälle – geht die großvolumige Maschine nicht in die Knie. Dabei hat der Fahrer sogar noch etwas Luft unter dem Fahrpedal. Aber das hochgeländegängige Fahrwerk verschränkt sich unter der vollbeladenen Kippbrücke so geschickt, dass es selbst für die umstehenden Fotografen eine wahre Freude ist. Auch am Arocs-Volant bleibt die Arbeitsatmosphäre entspannt. Dank Achslastausgleich ist die Gewichtsverteilung zwischen den beiden Vorderachsen bestmöglich ausgeglichen, die Traktion nahe bei 100 Prozent. Dabei helfen dem neuen Allrad-Kipper auch die griffigen Gelände-Pneus der Maße 13 R 22.5.

Leichtes Handling dank der Weltneuheit Servotwin

Auffällig zielgenau arbeitet die Lenkung bei diesen anspruchsvollen Manövern. Kein Wunder, schließlich arbeitet im neuen Arocs eine Weltneuheit im Nutzfahrzeugbereich: die elektro-hydraulische Lenkung Servotwin. Sie ist zunächst exklusiv bei Vierachsfahrzeugen im Einsatz. Ihr Bonus für den Arocs-Piloten: geschwindigkeitsabhängige Lenkkraftunterstützung und aktiver Lenkungsrücklauf. Mit dieser neu entwickelten Technologie, die bei 8×6- und 8×8-Fahrzeugen serienmäßig und bei 8×4-Fahrzeugen optional erhältlich ist, eröffnet sich eine Welt von bisher unerreichtem Lenkkomfort bei gleichzeitig höchster Lenkpräzision.

Zweite Testrunde auf der Selbstfahrstrecke mit dem neuen OM 470

Auch die Testfahrzeuge auf dem zweiten angebotenen Rundkurs lenken mit Servotwin. Und sie überlassen den Gangwechsel dem serienmäßigen Mercedes PowerShift 3-Getriebe. Vor dem Getriebe arbeitet der neue 10,7-l-Reihensechszylinder OM 470, den es in vier Leistungsstufen von 240 kW (326 PS) bis 315 kW (428 PS) gibt. Im hier eingesetzten Testwagen, ein Vierachser 3240 mit der Antriebsformel 8×4/4, ist die zweitstärkste Motorversion mit 290 kW (394 PS) und 1.800 Nm Maximalzugkraft verbaut. Der Dreiseitenkipper steht auf straßen- und leichtgeländetauglicher Bereifung 315/80 R 22.5. Auf zur Testfahrt geht es diesmal also mit einer etwas kleineren Maschine unter der halblangen Kabine, weniger derben Reifen, aber trotzdem mit voller Gewichtsauslastung auf 32 Tonnen. Nur die Arocs-typische Optik mit dem kräftigen Antlitz bleibt unverändert. Der Arbeitsplatz arrangiert sich wie in dem zuvor gefahrenen 8×8-Modell. Die Feststellbremse ist ergonomisch optimal griffgünstig in der Brüstung neben dem Lenkrad integriert. Bei Allradfahrzeugen ist dieser Platz für die im Gelände häufiger eingesetzteDifferenzialsperren-Bedienung reserviert.


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